Die Folgen der 4. und 5. IV-Revision:
Erfahrungen von neuerkrankten Betroffenen
Im Hinblick auf die 6. IV-Revision möchten wir skizzenhaft an ausgewählten Beispielen festhalten, was uns aus Berichten von Neuerkrankten im Zusammenhang mit der 4. und 5. Revision (2004 und 2008) zu Ohren kam. Die Erfahrungen von erkrankten Menschen, die von der IV als nicht Renten berechtigt abgewiesen wurden, werden kaum in den Medien veröffentlicht. Wenn man von dem Abklärungsmarathon, den diese Menschen durchlaufen müssen, weiss und dann sieht, welche Schlüsse daraus schriftlich in den Dossiers der IV festgehalten werden, wird verständlich, wieso die Betroffenen sich unverstanden fühlen, äusserst vorsichtig geworden sind und durch die verletzenden Erfahrungen gelernt haben zu schweigen. Geben wir ihnen hier eine Stimme.
Die neue Allmacht der IV-Ärzte
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Dies vorweg genommen: Als elektronische Leserin spreche ich das IV, gleich Invaliditätsversicherung, etwas eigenartig aus - entschuldigen Sie mich bitte - ich bin elektronisch.
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Beispiel: Der betreuende Arzt oder/und eine Klinik klären ab, wie viele Prozente ein Patient arbeitsfähig ist. Oft kommen betreuender Arzt und Klinik zum gleichen Resultat: Z.B. 80 % arbeitsunfähig. In der Schlussbeurteilung, die der Patient als IV-Verfügung zu geschickt erhält, steht dann: 80 % arbeitsfähig. Der Patient denkt: Ach, das ist sicherlich nur ein Verschreiber seitens der IV. Er macht die IV darauf aufmerksam. Doch dann wird ihm klar gemacht: Nein, er sei von der IV als zu 80% arbeitsfähig eingestuft worden. Punkt. Das heisst: Er geht leer aus.
Beispiel: Eine kranke Person lebt seit einigen Jahren nur noch in ihrer Wohnung, kann kaum länger auf den Beinen stehen und erhält die Einkäufe von einer Freundin geliefert. In der IV-Akte steht, dass die betreffende Person jeden Tag ins Fitnesszentrum gehe. Sie hat während der Krankheit solche Trainings nie gemacht. Es ist aber sehr schwierige, die Behauptung im Nachhinein zu widerlegen. Und woher soll die meist bettlägerige Person die Kraft dazu nehmen? Wenn nun ein weiterer Gutachter das Dossier liest ohne die Person, von der die Rede ist, näher zu kennen, wird er verständlicherweise aufgrund dieser falschen Behauptung mutmassen, dass diese Person sehr wohl mindestens teilweise arbeitsfähig sei.
Beispiel: Ein IV-Arzt sagt: „Ja, ich sehe, dass Sie krank sind, doch Sie erhalten mit der Diagnose CFS keine IV-Rente. Sie werden weiterhin von der Fürsorge leben müssen. Aber in ein paar Jahren kann es ja anders sein, verzweifeln Sie nicht.“